Stegreifaufgabe Bayern: Alles was Schüler wissen müssen

Die Stegreifaufgabe ist der unangekündigte Test an bayerischen Gymnasien und Realschulen — und für viele Schüler ein Stressfaktor. Was genau darf geprüft werden, wie lange dauert sie und wie bereitet man sich vor?

Was ist eine Stegreifaufgabe?

Eine Stegreifaufgabe (auch "Stegreif" genannt) ist ein unangekündigter schriftlicher Test, der ohne Vorwarnung zu Beginn einer Unterrichtsstunde geschrieben wird. Der Name leitet sich vom altdeutschen "Stegreifen" ab — also "aus dem Stegreif", also spontan.

Im Gegensatz zur Schulaufgabe (angekündigt, 45–90 Minuten) oder zur Kurzarbeit (angekündigt, max. 30 Minuten) kann die Stegreifaufgabe jederzeit kommen — theoretisch in jeder Stunde, in der kein anderer Leistungsnachweis stattfindet.

Regeln für die Stegreifaufgabe in Bayern

Das bayerische Schulsystem hat klare Regeln für Stegreifaufgaben, die in der Schulordnung verankert sind:

MerkmalRegelung
AnkündigungKeine — unangekündigt
DauerMaximal 20 Minuten
Prüfbarer StoffNur der Stoff der letzten beiden Unterrichtsstunden
GewichtungEinfach (1x) — wie mündliche Note
HäufigkeitKeine gesetzliche Begrenzung pro Fach
NotenwirkungZählt im Block der kleinen Leistungsnachweise; dessen Gewicht hängt von Schulart und Zahl der Schulaufgaben ab (siehe Notenrechner)

Wichtig: Nur der Stoff der letzten zwei Unterrichtsstunden darf geprüft werden. Früherer Stoff ist offiziell nicht erlaubt — aber Grundlagen aus älterem Stoff, die für das Verstehen nötig sind, können indirekt eine Rolle spielen.

Wie zählt die Stegreifaufgabe zur Note?

Eine Stegreifaufgabe ist immer ein kleiner Leistungsnachweis. Wie stark der Block der kleinen Leistungsnachweise am Ende zählt, hängt von der Schulart ab: Am Gymnasium steht ihr Durchschnitt dem Durchschnitt der Schulaufgaben gegenüber — bei mehr als zwei Schulaufgaben im Verhältnis 1:2, bei genau zwei Schulaufgaben 1:1 (§ 28 Abs. 1 GSO). An der Realschule zählt jede Einzelnote, Schulaufgaben doppelt (§ 23 Abs. 2 RSO). Details im Notenrechner Bayern.

Achtung: Obwohl eine einzelne Stegreifaufgabe "nur" einfach zählt, können viele schlechte Stegreifs den Notenschnitt im kleinen Leistungsnachweis-Block erheblich drücken — besonders wenn die mündliche Note ebenfalls schwach ist.

Unterschied: Stegreifaufgabe vs. Kurzarbeit vs. Schulaufgabe

TypAnkündigungDauerStoffGewichtung
StegreifaufgabeNeinmax. 20 Min.letzte 2 Stundenkleiner LN
KurzarbeitJamax. 30 Min.aktuelles Themakleiner LN
SchulaufgabeJa45–90 Min.größerer Stoffgroßer LN
Mündliche SchulaufgabeJavariabelgrößerer Stoffgroßer LN

Wie bereitet man sich auf Stegreifaufgaben vor?

Da man nie weiß wann eine Stegreifaufgabe kommt, ist die beste Strategie: immer den Stoff der letzten zwei Stunden parat haben. Das klingt einfach, ist aber ohne System schwer umzusetzen — besonders wenn man in 8–10 Fächern gleichzeitig aufpassen muss.

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Kann man eine Stegreifaufgabe anfechten?

Ja, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Eine Stegreifaufgabe ist anfechtbar wenn:

In einem solchen Fall sollten Eltern oder Schüler das Gespräch mit dem Fachlehrer suchen, und falls nötig mit dem Klassenleiter oder der Schulleitung.

Was tun wenn man krank war?

Wer an dem Tag, an dem eine Stegreifaufgabe geschrieben wurde, krank war (und das mit einem Attest belegt), muss die Stegreifaufgabe nicht nachholen — sie fällt dann aus der Notenberechnung heraus. Ohne Attest kann der Lehrer eine Nachschreibmöglichkeit gewähren, muss es aber nicht.

Stegreifaufgaben in der Oberstufe (11–13)

In der Qualifikationsphase (Klasse 12/13) gibt es keine klassischen Stegreifaufgaben mehr. Dort wird in Punkten (15–0) bewertet, und die Halbjahresleistung ergibt sich 1:1 aus der Schulaufgabe und dem Durchschnitt der kleinen Leistungsnachweise (§ 29 Abs. 2 GSO). Klasse 11 ist die Einführungsphase und rechnet noch mit Noten 1–6. Extemporalien (das Oberstufen-Äquivalent) existieren in manchen Fächern, sind aber weniger verbreitet.